Test: „Stirb langsam“ 4K Blu-ray – Action-Klassiker mit Horror-Ton

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Der Action-Klassiker
Der Action-Klassiker "Stirb langsam" auf 4K Blu-ray genießt einige Vorzüge. Der Titel kann aber nicht in allen Belangen überzeugen

Als 20th Century Fox ein Remaster des Action-Klassikers „Stirb langsam“ auf 4K Blu-ray angekündigt hat, stieg die Hoffnung auf eine hochwertige Bild- & Tonverarbeitung. Visuell kommt die 4K Blu-ray von „Stirb langsam“ noch ganz gut daher, die deutsche Tonspur ist dagegen einfach schlecht.

Inhalt (90%)


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Was John McTiernan, der zuvor schon für den legendären ersten Predator verantwortlich zeichnete, mit dem 1988 produzierten Stirb Langsam fabrizieren sollte, konnte zu dem Zeitpunkt wohl noch keiner ahnen. Mit einem weltweiten Einspiel von gut 140 Mio. Dollar ist das (selbst inflationsbereinigt) kein gigantischer Erfolg. Was der Film aber gerade im Nachgang über die Videoauswertung erzielen konnte, lässt sich nicht auf das bloße Kino-Einspiel reduzieren. Der Film wurde zum Kult, John McClane zur Kultfigur und Bruce Willis avancierte zum höchst dotierten Schauspieler und absolutem Superstar. Vier Fortsetzungen folgten und „Yippie-ya-yeah, Schweinebacke!“ wurde zu einem der meist zitierten Einzeiler der Filmhistorie überhaupt. Dem in den 80ern vor allem von Stallone und Schwarzenegger dominierten Action-Kino, das vornehmlich von Muskelprotzen geprägt war, setzte McTiernan mit MClane/Willis einen hemdsärmeligen Typen gegenüber, der vielmehr durch eine große Portion Selbstironie auffiel, denn durch Testosteron-Überschuss in den Adern.

Die Figur des John McClane (Bruce Willis) war ein frischer Wind im Action-Segment. Verletzlich, fluchend mit Geühlen! | Bildquelle: blu-ray-rezensionen.net

Dass man diesen Weg ging, liegt aber gerade an Willis. Denn eigentlich sollte McTiernan die Fortsetzung zu Schwarzeneggers Phantom-Kommando inszenieren. Dann jedoch hatte der Österreicher darauf keine Lust, weshalb das Projekt Stirb Langsam in Angriff genommen wurde. Auch hier war Willis, der zuvor vor allem als Serien-Sidekick von Cybill Shepherd in Das Model und der Schnüffler aufgefallen war, nach Kollegen wie Harrison Ford, Mel Gibson oder sogar Stallone nur die sechste! Wahl für die Hauptrolle.

Dass man sich manchmal mit seinen eigentlichen Plänen irren kann, zeigt der fertige Film dann eindrucksvoll. Gerade das Frische an der Besetzung mit sorgte am Ende für den Witz und die emotionale Bindung an die Figur des McClane. Wir hatten es nicht mit einem unverwundbaren Held zu tun, der praktisch ohne Kratzer als Einmann-Kampfmaschine durch den Film wütet, sondern mit einem verwundbaren und sogar sensiblen Charakter, der sich durch das Szenario blutet, schwitzt und flucht. Das war nicht nur frisch, sondern anders und schlicht unglaublich unterhaltsam.

Bildqualität (75%)

Stirb Langsam wurde 1988 selbstverständlich noch vollständig analog gefilmt. Laut Aussage des Anbieters wurde von diesem Original-Filmmaterial ein komplett neuer Scan in 4K angefertigt, der dann über ein 4K Digital Intermediate auch auf der UHD landete. Zum 30. Jubiläum gibt’s deshalb die bisher bestmögliche Umsetzung dieses Klassikers.
Und besser ist sie in der Tat in vielen Bereichen. Der Auflösung sieht man ihre höhere Pixelanzahl durchaus an. Selbst im laufenden Bild wirken Texturen und bspw. die typischen 80er-Jahre-Computerschriften klarer. Auch die Close-ups haben noch mehr Plastizität. Feine Details im Hintergrund wie Jalousien sind klarer definiert und besser erkennbar.

Der Qualitätsgewinn kommt in den meisten Fällen von der erweiterten Bilddynamik (HDR)
Der Qualitätsgewinn kommt in den meisten Fällen von der erweiterten Bilddynamik (HDR) | Bildquelle: blu-ray-rezensionen.net

Durch die Integration von HDR10 und einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum gibt’s mehr Kontrastumfang und eine etwas andere Farbgebung. Während Rot- und Orangetöne deutlich kräftiger erscheinen (vor allem bei Explosionen), erhalten Hauttöne mehr Rotanteil, wirken deshalb nicht mehr so extrem goldbraun. Das führt zu einer wesentlicher natürlicheren Hautdarstellung. Da die 4K-Scheibe etwas dunkler abgestimmt ist, muss man bei schwächeren Fernsehern schon mal das Restlicht etwas minimieren. Insgesamt gehen aber keine Details verloren und Schwarz ist noch mal eine Spur satter.

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(0 Rezensionen)

2 Neu & Gebraucht erhältlich ab EUR 20,80


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4.8 von 5 Sternen (53 Rezensionen)

5 Neu & Gebraucht erhältlich ab EUR 25,50

Tonqualität (60%)

Der Sound ist leider identisch mit jenem der bisherigen Blu-ray. Hier muss man leider massive Abstriche machen, was die deutsche Fassung von Stirb Langsam angeht – und das liegt nicht mal an der Standard-dts-Spur, die einer dts-HD-Master-Fassung fürs Original gegenübersteht.

Das Hauptproblem ist der dumpfe und dröhnige Sound der hiesigen Abmischung. Dialoge sind ziemlich muffig und schon ganz dezent dynamische Szenen werden mit einem dumpf-grollendem Teppich zugematscht. Besonders gut schon nach knapp einer Viertelstunde zu hören, wenn der Laster mit den Gangstern um die Ecke biegt. Was im Original vielleicht etwas zu frontlastig vertont ist, aber homogen daher kommt, klingt über die deutsche Version zwar räumlicher, aber furchtbar brummelig. Auch sämtliche anderen Actionmomente sind ärgerlicherweise um ihre höherfrequenten Anteile beschnitten. Wenn Karl seine erste kleine Bombe ablegt und danach noch zwei Schüsse aus der schallgedämpften Waffe abfeuert, hört sich das im Deutschen zwar druckvoller an, aber eben auch so muffig, als hätte man eine Decke über die Mikrofone gelegt. Gänzlich ungelungen ist auch die Situation, wenn er die Rohre mit der Kettensäge kappt. Wo die Originalfassung einen realistischen Chainsaw-Sound integriert, brabbelt in der hiesigen Version der Subwoofer, wo es überhaupt keiner tieffrequenten Informationen bedarf. Es ist ja schön, wenn man es druckvoller machen möchte. Aber hier hat man es maßlos übertrieben und auch noch um die Höhenanteile gebracht.

Im Bewegtbild kommt auch immer wieder die erhöhte Auflösung des 4K-Scans zum Vorschein
Im Bewegtbild kommt auch immer wieder die erhöhte Auflösung des 4K-Scans zum Vorschein | Bildquelle: blu-ray-rezensionen.net

Die Stimmen kommen im Gegensatz zum Original zwar unmittelbarer und eigentlich verständlicher zum Gehör, zischeln aber etwas bei S-Lauten und gehen im Gebrabbel der Action durchaus mal unter. Gleichzeitig darf man dennoch auch über den Original-Sound meckern. Denn der ist zwar ausgewogener und überhaupt nicht dumpf, aber praktisch frei von Surround-Effekten. Das Geschehen bleibt auf die Front beschränkt und wird nur ganz dezent mal auf die rückwärtigen Speaker geöffnet.

  • Deutsch: DTS Digital 5.1 – 60%
  • Englisch: DTS-HD MA 5.1 – 70%

Bonus (50%)

Das Bonusmaterial von Stirb Langsam fällt nicht sonderlich üppig aus. Das einzige Featurette ist das „Berichterstattungs“-Feature, das die TV-Reportage in voller Länge zeigt. Dazu gibt es einige Trailer und TV-Spots sowie eine Bildergalerie.
Das Meiste an Information muss man sich deshalb aus den beiden Audiokommentaren holen, die zum einen von McTiernan und Produktionsdesigner De Govia sowie von Richard Edlund, dem Produzenten der visuellen Effekte eingesprochen wurden. Letzterer ist szenenspezifisch, dafür aber gerade aus technischer Sicht sehr informativ. Gerade weil Edlund auf die damaligen Beginne der digitalen Projetion in Kinos eingeht.

Bösewicht Hans Gruber (Alan Rickman) erklärt den Geiseln "den Ablauf"
Bösewicht Hans Gruber (Alan Rickman) erklärt den Geiseln „den Ablauf“ | Bildquelle: blu-ray-rezensionen.net

Gesamtbewertung „Stirb langsam“ – 4K Blu-ray (75%)

Stirb Langsam ist auch heute noch ein echtes Filmerlebnis mit hochspannender Inszenierung und tollen Darbietungen von Willis und Rickman. Die UHD räumt nun mit einem Bildproblem der BD auf und liefert die angenehmeren Farben sowie den dynamischeren Kontrast. Leider ist der Ton noch der Gleiche geblieben, was weniger schön ist.

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2 Neu & Gebraucht erhältlich ab EUR 20,80


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4.8 von 5 Sternen (53 Rezensionen)

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 17. Mai 2018 Review am: 16. Mai 2018
Erscheinungsjahr Film: 1988 Laufzeit: 132 Minuten
Filmstudio: Universum Film FSK: Ab 16 Jahren
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Bildformat:
2.35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch DTS Digital 5.1
Englisch DTS-HD MA 5.1
High Dynamic Range:
HDR 10 Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D
Testgerät Player: LG UP970

Stirb langsam Trailer:

Test: „Stirb langsam“ 4K Blu-ray – Action-Klassiker mit Horror-Ton
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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Inhalt
90 %
Bild
75 %
Ton
60 %
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

3 KOMMENTARE

  1. Also ich muss mal eine Lanze brechen für den deutschen Ton. Der ist vor 30 Jahren gemacht worden, als Dolby Stereo noch nicht in jedem Kino zu hören war. Da ist nun mal irgendwann Ende. Die einzige Option wäre gewesen, den Film für viel Geld neu abmischen und neu synchronisieren zu lassen. Das hört sich für jeden, der den Film schon mal gesehen hat, furchtbar an. So geschehen bei Der Pate.

    Viel ärgerlicher finde ich, dass man nicht die Extras der alten DVD Special Edition mit drauf gepackt hat oder gar mal ein paar neue Extras produziert hat.

    • Ja, wa?! So richtig kriegen Sie es nicht gebacken mit der UHD Blu Ray! Beides auf bestem Niveau bleibt wohl noch Wunschdenken!!!

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